Wohnen für ein langes Leben
Mittwoch, 18. August 2010
Zwei Entwicklungen kennzeichnen die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Zum einen wird die Zahl der Einwohner bis 2050 weiter deutlich sinken. Zum anderen verschieben sich die Bevölkerungsgewichte zu den älteren Jahrgängen. Die Altersgruppe der über 65-Jährigen wächst dabei bis zum Jahr 2040 sowohl absolut als auch anteilmäßig beträchtlich. Alle übrigen Altersjahrgänge nehmen zahlenmäßig ab.
So wird sich die Zahl der über 80-Jährigen von heute 3,7 Millionen bis zum Jahr 2050 auf gut zehn Millionen Menschen etwa verdreifachen. Der Anteil der Hochbetagten (80 Jahre und älter) beträgt dann nicht mehr ein knappes Viertel, sondern gut 40 %. Gleichzeitig werden die Altersgruppen der unter 50-Jährigen rund ein Drittel ihrer ursprünglichen Stärke einbüßen.
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Die Alterung unserer Gesellschaft stellt eine markante Herausforderung nicht nur für die sozialen Sicherungssysteme, sondern auch für die Wohnungswirtschaft dar. Die in den GdW-Verbänden zusammengeschlossenen Wohnungsunternehmen sehen darin eine gesellschaftliche Aufgabe und Chance zugleich und wollen ihren Mietern und Mitgliedern ein "Wohnen für ein langes Leben" anbieten.
"Wohnen für ein langes Leben" bedeutet damit zweierlei:
- Älteren Menschen möglichst lange ihr eigenes Leben in ihren vertrauten vier Wänden zu ermöglichen. Schon heute lebt eine große Mehrheit der Älteren und sogar der Pflegebedürftigen zu Hause. Der Trend weg vom alt bekannten Seniorenheim hin zu vielfältigen Formen des Lebens im Alter setzt sich fort.
- Gleichgewichtig Bewohnern aller Altersklassen ein adäquates Wohnungs- und Serviceangebot zu machen. So sind schwellenlose Wohnungen und Bäder, technische Bedienhilfen für Licht, Türen und Fenster, moderne Kommunikationstechnik und individuelle Services für Menschen aller Altersklassen – ob mobil oder mit Bewegungseinschränkungen, ob alleinlebend oder mit Partner, ob mit oder ohne Kinder – nützlich und steigern die Wohnzufriedenheit.
Der GdW will auch in der öffentlichen Diskussion den Begriff "Wohnen im Alter" durch "Wohnen für ein langes Leben" ablösen. Denn der bisherige Begriff wird der sehr weiten Zielgruppe nicht mehr gerecht und häufig insbesondere von den "jungen Alten" als diskriminierend empfunden.
Ein erster Schritt sind barrierearme Wohnungen über zielgerichtete Wohnraumpassungen wie Abbau von Schwellen in und zu der Wohnung und schwellereduzierte oder bodengleiche Duschen, die bewegungseingeschränkten Bewohnern und jungen Familien gleichermaßen einen hohen Wohnkomfort bieten und zugleich als "trendy" gelten.
Den zweiten Schritt beschreibt das Konzept des vernetzten Wohnens. Hierunter werden zielgruppenorientierte Dienstleistungen – von Sicherheits-, Komfort-, Energie- bis zu Gesundheitsdienstleistungen – auf der Basis klassischer und moderner Technologien verstanden. Die Vernetzung zielt im doppelten Sinn auf eine technologische und auf eine soziale Vernetzung der Menschen als Anbieter und Nachfrager von Dienstleistungen.
Die Wohnung kann künftig nicht nur ein attraktiver Wohnstandort, sondern auch ein Gesundheitsstandort sein. In einer im Juni 2008 vom GdW berufenen Expertenrunde “Gesundheitsdienstleistungen in der Wohnung“ haben die wichtigsten Akteure im Gesundheitsbereich, wie Krankenkassen, Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienstleister, Technologieanbieter und Wohnungsunternehmen, die zentrale Frage diskutiert: Unter welchen Voraussetzungen gelingt es, gemeinsam die Wohnung als einen für alle Marktbeteiligten nutzbringenden Gesundheitsstandort zu entwickeln? Hintergrund: Wesentliche Hemmnisse für die Realisierung solcher Dienstleistungen bilden nicht die technische Infrastruktur, sondern vielmehr noch unzureichende Vernetzungen der Marktpartner und vor allem fehlende Geschäftsmodelle für bezahlbare Dienstleistungen.
Im September 2009 haben GdW und Deutsche Telekom zu einem zeitgleich mit der Expertenrunde gestarteten Forschungsprojekt über Geschäftsmodelle im vernetzten Wohnen mit Schwerpunkt Gesundheitsdienstleistungen einen Abschlussbericht präsentiert. Tatsächlich jedoch markiert dieser Bericht nicht den Projektabschluss, sondern den Start der Umsetzungsphase. Demografieentwicklung und Wohnwünsche belegen: Eine Vernetzung der Akteure ist dringend geboten und möglich, um Mietern neue Services anbieten zu können. Dabei ergeben sich Win-win-Situationen für Mieter, Kranken- und Pflegekassen, Politik, Kommunen, Telekommunikationsbranche, Dienstleister und Wohnungswirtschaft.
Erste Vernetzungserfolge zeigen sich auch beim Projektaufruf des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Assistenzsysteme im Dienste des älteren Menschen", deren Ergebnisse im Januar 2009 auf dem 2. AAL-Kongress in Berlin verkündet wurden. Von 17 für eine Förderung benannten Projekten sind sechs Projekte mit wohnungswirtschaftlicher Beteiligung gestartet.

